Gedanken zum Nähen ... und: PICEA wird zum Wintermantel

 

Warum nähst Du?

 

Weil es Dir Freude macht? 

Weil Du beim Nähen entspannen und die Alltagssorgen beiseite schieben kannst? 

Weil es Spaß macht, schöne Stoffe zu verarbeiten? 

Weil Du individuelle Kleidungsstücke tragen möchtest? 

Weil Du Dir selbst etwas Gutes tun möchtest? Weil Du jemand anderem eine Freude machen möchtest? 

Weil Du, Deine Kinder/jemand anderes ein neues Kleidungsstück /Tasche, Accessoire... brauchen? 

Weil Nähen für Dich leichter, schneller, entspannter, freudvoller ist als Kleidung einzukaufen? 

Weil Du nicht mitmachen möchtest bei Fast Fashion und Konsumwahnsinn? 

Weil Du gerne etwas Neues lernst? Weil Du eine (nähtechnische) Herausforderung suchst? 

Weil Du dann endlich einen Punkt auf Deiner To-Sew-Liste streichen kannst? 

Weil Du viel zu viele Stoffe hast, die endlich verarbeitet werden müssen und Du ein schlechtes Gewissen hast? 

Weil Du ein Designbeispiel für einen Schnitt oder Stoff brauchst? 

Weil es zu Deiner Arbeit und somit auch zu Deinen Pflichten gehört? 

Weil Du an einer Linkparty teilnehmen möchtest? 

Weil Du mal wieder was Genähtes auf dem Blog/Instagram/Facebook zeigen möchtest? 

Weil es Spaß macht, Teil der „Nähbloggerwelt“ zu sein?

 

 

Wenn ich ganz ehrlich bin, kann ich (fast) jede dieser Fragen zumindest im Einzelfall mit Ja beantworten. Manches Ja ist dabei zögerlicher, manches überzeugter.

Ich will auch nicht behaupten, dass manche dieser Gründe besser oder schlechter sind oder keine Berechtigung haben, es kommt auch immer auf die Situation an. Ich nähe ja auch aus beruflichen Gründen, und hier gelten manchmal eben wieder andere Regeln.

 

Worum es mir persönlich geht, ist die Balance. Nähen - gerade der Teil, der noch immer Hobby ist - soll keinen Stress verursachen.

 

Ich möchte

 

langsam nähen, 

entschleunigt nähen, 

achtsam nähen, 

genussvoll nähen, 

bewusst nähen, 

sorgsam nähen,

sinnvoll nähen, 

nachhaltig nähen, 

bedarfsorientiert nähen, 

individuell nähen.

 

 

Ich möchte nicht gefangen sein in einem sich immer schneller drehendem Rad – ständig und überall gibt es neue Schnitte, neue Stoffe, neue Beiträge auf zig Kanälen. Was eine wunderbare (!) Quelle an Inspiration ist, kann allzu leicht auch ausarten in Druck, Stress, Gehetzt-Sein. Kennt Ihr das? 

(Und ja, auch von mir gibt es Schnittmuster. Vielleicht ist das ein Widerspruch. Aber Schnittmuster an sich sind ja nichts „Böses“ - und wie, warum, von wem und wie oft diese umgesetzt werden, bleibt jeweils individuelle Entscheidung.)

 

Ich will hier auf keinen Fall als Besserwisserin daherkommen. Ich mache auch längst nicht alles richtig. Aber ich suche nach etwas mehr ... Reduktion aufs Wesentliche.

Was ich möchte, ist, achtsam umgehen mit meiner Zeit, meiner Energie – und auch mit Ressourcen. Stoffe und Materialien sind wertvoll. Auch wenn es Bio-Stoffe sind, ist das kein Freibrief, um endlos zu konsumieren und zu produzieren. Sollte das Selbermachen nicht in seinem Ursprung Ersatz sein für Konsum – und nicht ein weiterer Grund dafür? 

 

Wie geht es Euch dabei? Was habt Ihr für Näh-Vorsätze? Stressen Euch das Nähen und die "Internet-Nähwelt" manchmal?

 

 

Ich möchte mir mit dem Nähen etwas Gutes tun, ich möchte Schönes erschaffen, das anderen und mir Freude macht, das auch benutzt und gebraucht wird. Ja, es ist manchmal schwierig, die Grenze zwischen Brauchen und Wollen zu ziehen. Mir geht es aber auch nicht um Verbote und um Verzicht (also Druck in die andere Richtung), sondern darum, eben noch mal inne zu halten, bevor ich einen Stoff anschneide oder auf den „Kaufen-Button“ klicke. Auch dann macht das Nähen noch Spaß – vielleicht sogar mehr!

 

 

Spaß gemacht hat es auch, diesen Mantel zu nähen. Als Grundlage hab ich meinen Picea-Schnitt herangezogen. Um aus dem Cardigan einen sehr dicken, gefütterten Walk-Mantel zu machen, habe ich, kurz gefasst, ein paar Änderungen vorgenommen:

 

- zwei Größen größer zugeschnitten

- eine Kapuze dazu „gebastelt“ (und mit einem Jerseyrest gefüttert)

- die Knopfleiste nicht angesetzt, sondern vor dem Zuschneiden an das Vorderteil angefügt (siehe dazu auch hier)

- das Futter (Vorder- und Rückenteile aus Fleece, Ärmel aus Futterviskose, die ich, der Wärme wegen, auf einen Sweatstoff gesteppt habe) links auf links in den Außenmantel gesteckt, mit Belegen aus dem Außenstoff (sieht man beim oberen Bild) mit dem äußeren Mantel verbunden; da Walk und Fleece nicht ausfransen, konnte ich offenkantig und ohne Verstürzen arbeiten.

 

Der Mantel ist sehr warm und gemütlich und hat mir schon an einigen kalten Wintertagen gute Dienste geleistet.

 

 

Diese Art des Weiterdenkens von Schnittmustern beschäftigt mich momentan sehr, und ich habe noch einige Ideen, die ich - nach und nach - weiterspinnen möchte. Schließlich braucht es in Wahrheit gar nicht soo viele unterschiedliche Schnittmuster, wenn man kreativ mit ihnen umgeht...


Schnittmuster: Picea , mit den oben beschriebenen Änderungen

Stoffe: anthrazitfarbiger Walk, Baumwollfleece und Reste an Futterstoff/Sweat

 

 

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*Dieser Beitrag enthält Werbung für mein Schnittmuster und die Plattform, auf der ich es verkaufe, sowie unbezahlte/unbeauftrage Werbung durch Verlinkung für die Stoffe bzw. Stoffhändler.